6. Mai … sag, warum schweigst du…

Was macht ihr mit Menschen, die ihr zutiefst verletzt habt? Menschen, die wir – oft auch unbewusst oder unbeabsichtigt – an einer wunden Stelle erwischt haben und die dann von uns weg gehen und nie wieder mit uns reden? Was macht man mit solchen Menschen? Und ist Schweigen von Menschen, die uns wichtig sind, nicht etwas unerträgliches? Wie lange ertragen wir es, sie nicht mehr zu hören, nicht mehr gehört zu werden…

Gibt es Menschen in eurem Leben, mit denen ihr nicht mehr redet? Weil sie… ja warum eigentlich? Weil sie ein Wort zu viel gesagt haben oder am Ende eines zu wenig? Weil sie was falsches gesagt haben? Etwas, das wir nicht hören wollten, etwas, was nicht gesagt werden durfte? Erinnert ihr euch an dieses eine Wort, diesen einen zu schnell gesagten Satz, der euch entzweit hat? Habt ihr es gesprochen oder gehört? Und wie, sagt mir wie lebt ihr mit diesem Schweigen seither? Ist es Genugtuung für euch und gibt euch Frieden oder ist es euer größter Schmerz, der den Schlaf manchmal raubt?

Wissen Menschen eigentlich, wie es ist, wenn man von einem Tag auf den anderen einfach schweigt? Was manch einer dafür geben würde, wenigstens seinen Fehler zu erfahren in dieser Stille? Zutiefst verletzt sein, ok. Wütend, verständlich. Gekränkt, es tut mir leid. Aber welche Strafe an einem Freund oder geliebten Mensch könnte schlimmer sein, als von da an für immer zu schweigen? Nichts. Einfach nichts. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Menschen, die das tatsächlich tun, selbst ein mal so behandelt wurden. Sonst wüssten sie um die Qual, die Schweigen manchmal bedeuten kann. Wenn einem selbst ein schlechtes Wort lieber wäre als diese abgrundtiefe Stille.

Ich hab so viel Stille durch die letzten Wochen, Monate, Jahre… Stille mit mir selbst; etwas, das die wenigsten ertragen. Sich selbst gegenüber zu stehen, nur sich selbst. Sich in die Augen sehen müssen, dieses eine mal. Und diesen Moment erleben; wirst du ehrlich sein zu dir selbst? Absolut ehrlich? Gestehst du dir all die Fehler, Schwächen, gar Sehnsüchte ein oder wirst du ein weiteres mal müde lächeln und dir selbst vormachen wollen, alles sei okay? Freundschaft beginnt in uns selbst. Man soll immer sich selbst zu seinen besten Freunden zählen hab ich einst irgendwo gehört. Und so, wie man sich selbst behandelt, so wird man andere behandeln. Und ich musste lernen, vielleicht auch einfach nur verstehen, wie sehr ich verroht bin in den letzten Jahren. Überleben heißt nicht nur stark sein, sondern auch all die Dinge aufgeben und ablegen, die einen hindern, am Leben zu bleiben. Wenn es nur noch weh tut, dann wird man irgendwann aufhören zu fühlen. Wenn man nicht mehr schlafen kann wird man aufhören, Träume zu haben. Wenn man nicht mehr glauben kann, dann wird man nur noch hoffen…

Es gibt Menschen, die heute nicht mehr mit mir reden und ich kann es ihnen nicht mal übel nehmen. Ich habe nie Menschen mit Absicht verletzt oder vor den Kopf gestoßen und doch hab ich immer wieder die, die mir zu nahe kamen, vertrieben. Wenn man nackt auf den Resten seines Daseins steht dann will man eben nicht von jedem gesehen werden. Ich hab es immer irgendwie weiter geschafft auf dieser Welt, wenn es sein musste auch allein. Aber manchmal, manchmal hätte ich mir gewünscht, irgendwo wäre ein Mensch bereit, mich so zu lieben wie ich bin. Zerstört, gebrochen, allein… Wenigstens eine Hand, die meine einen Moment lang hält. Wenigstens ein Blick, der mir bedeutet, dass die Dinge irgendwann wieder besser werden. Ein liebes Wort in dieser manchmal so beschissenen Welt. Ich bin mir ein Freund geblieben in dieser Welt, immer. Manchmal war ich der einzige, den ich hatte. Und ich habe längst aufgehört, mich anzuschweigen, mich anzulügen, mich selbst nicht mehr spüren zu können. Und manchmal, manchmal wünsche ich mir von den Menschen die Größe, ihr Schweigen zu brechen. Und wenn sie einem nur sagen, wie verletzt sie sind. Wie tief enttäuscht. Wie weit fort sie von einem sind. Wenn es nur das ist aber es ist besser als für immer zu schweigen. Nichts, nichts tötet so langsam wie ein Schweigen von einem Menschen, der einem so wichtig war…

Bild von Free-Photos auf Pixabay 

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