7. Mai … lebst du noch oder zerstörst du schon?

Inzwischen vier Jahre ist es her, dass ich jemandem begegnet bin, der so ist wie ich. Der mit diesem Chaos in sich lebt, durch die Welten wandert und all ihre verlorenen Seelen hören, ja sogar sehen kann. Der sich erinnert, von Leben zu Leben. Der seine Wunden kennt, tausende Jahre alt manch eine davon. Der seine Herkunft kennt, so sehr kennt wie ich aber eines nie gekannt hat; sein Ziel. Vielleicht ist es das, was mich so heimatlos macht, ich kenne mein Ziel nicht.. Jedenfalls bin ich diesem Menschen begegnet und ein Satz von ihm hat mich besonders berührt; ich habe aufgebaut, du hast zerstört! Besser, besser kann man mich nicht beschreiben. Ich habe zerstört, mein Leben lang…

Ich bin ihm nur ein einziges mal begegnet; er hat mir in die Augen gesehen und es mit der Angst zu tun bekommen. Genau wie diese Hexe damals, in deren Laden ich kurz danach gestanden habe und nach einem Schädel fragte; auch sie hatte Angst und bat mich aus ihrem Geschäft… Aber zurück zum Wesentlichen; ich habe zerstört. Alles was gut war. Ich kann heute sagen, dass ich das sehr lange unbewusst gemacht und erst weit später rückwirkend überhaupt gemerkt habe. Das fing in meiner Kindheit schon an, ich hab einfach keinen Frieden vertragen. So lange Lärm gemacht, bis die ganze Familie zerstritten war. Nach meiner ersten Liebe, die zutiefst weh getan hatte fing ich an, Ehen zu zerstören. Gott, was war ich für ein Mensch… Als meine Kinder starben begann ich, mich selbst zu zerstören. Ich habe nie gefragt, was man mir für Gift gab, höchstens, wie man es einnimmt. Ich hab alles in mich rein geworfen, was ich in die Finger bekam. Ich musste diese Stimme namens Schuld in meinem Kopf irgendwie zum Schweigen bringen. Heute weiß ich, es war nicht Schuld, sondern mein Herz, welches leise weinte… Damals, irgendwo in der Zeit hab ich auch verlernt, Menschen bei mir zu lassen. Sobald mir irgendjemand zu nahe kam, ganz egal ob freundschaftlich, menschlich oder gar aus Liebe; wer diese Grenze überschreitet wird von mir vertrieben. Anfangs bewusst, niemand durfte die Frechheit besitzen, mir erzählen zu wollen, dass dieses mein Leben irgendwann wieder besser sein würde. Mit der Zeit ging das in mich über und bis heute werde ich zum zerfleischenden Raubtier, wenn mir wer zu nahe kommt. Selbst wenn ich versuche, es nicht zu tun, ich schaff es immer wieder…

Diese Menschlichkeit, die ging mir irgendwann verloren. Und bevor man immer wieder aufs Neue Menschen verletzt bleibt man schön alleine. Es war ein langer Weg für mich, winzige Schritte zurück in die Gesellschaft zu gehen. Winzige, ich bin nie wieder in ihr angekommen und das möchte ich auch gar nicht. Eine Zeit lang unter ihnen verweilen können, ok. Unverbindlich eine Weile bleiben, schön. Immer wieder verschwinden können, zurück in meine Festung, wunderbar. Und ich stelle fest, wenn ich das vergangene Jahr überschaue und leise meine Wunden davon betrachte, dass ich alles richtig gemacht habe. In diese Gesellschaft will ich gar nicht mehr zurück. Ich hab gesehen, was gerecht sein soll und ich habe zu spüren bekommen, wie allein man doch ist, wenn man wirklich mal Hilfe braucht. Und ich frage jeden Einzelnen, der geschwiegen hat; wenn für euch das Thema so schwer war – zu schwer, um mit mir drüber zu reden – was glaubt ihr eigentlich, wie schwer es erst für mich war und noch immer ist? Ich bin unendlich froh, dass ich zwar gerne jemanden gehabt hätte in dieser brutal schweren Zeit aber wie immer allein damit geblieben bin. Das bin ich, so bin ich nun mal. Und ich bin noch dankbarer geworden für diese eine Gabe, die ich habe; es alleine zu schaffen…

Mag sein, ich hab immer zerstört. Alles um mich herum. Das ist das, was alle mit bekommen haben. All die Trümmer, die ich hinterlassen habe weil ich immer um alles gekämpft habe. Was den meisten entging; mich, mich hab ich jedes mal wieder aufgebaut, allein aus diesen Trümmern, die für euch nur Schlachtfeld waren. Und ich wünsche jedem da draußen, dass er nie den Glauben in die Menschheit so sehr verliert wie ich. Dass ihr immer genug davon habt euch vormachen zu können, diese eure Welt da sei gerecht, sei gut, sei lebenswert. Ich kenne so viele Geheimnisse von Menschen. Mit wie vielen Lügen sie leben, Lügen an den Menschen, von denen sie behaupten, sie würden sie lieben. Lügen an sich selbst. Wie viele Menschen sich immer und immer wieder mir anvertrauen und wissen, ich werde schweigen, immer. Mich interessieren eure Lügen nicht, ihr straft nicht mich damit, denn ich bin der, dem ihr die Wahrheit sagt. Ihr, ihr müsst mit euren Lügen leben…

Ich hab immer zerstört, was ich nicht ertragen habe, am Ende sogar mich selbst. Aber heute steh ich hier, immer noch und nichts, rein gar nichts besteht mehr aus Lüge an mir. Was war ich ehrlich zu mir selbst in den letzten Wochen! Aber ich frage euch da draußen; wie viele von euch fallen nur nicht auseinander weil sie mit allen Mitteln beisammen halten, was sie glauben, zum Leben zu brauchen? Und wie viel von all dem hättet ihr manches mal schon gerne zerstört und habt es nicht getan weil… ja warum eigentlich? Ihr dann alleine da steht? Euch dann nichts bleibt? Ihr dann von vorne anfangen müsst, vielleicht mit gar nichts? Dann hab ich lieber nichts als mich selbst. Dann bin ich lieber arm aber behalte meinen Reichtum an Liebe zu mir selbst und meinen Werten. Wer für die Wirklichkeit nun mal nicht stark genug ist, der wird immer Illusionen haben…

Bild von dexmac auf Pixabay 

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