16. Mai … nur Narren vertrauen dem Leben…

… ist draußen irgendwer, der meinen Namen kennt, für den ich nicht vergessen bin… (so ähnlich von Rosenstolz)

… du musst nur immer weiter gehen, immer weiter. Egal was kommt, geh immer weiter, einen Fuß vor den anderen. Nie aufgeben, den Kopf immer weit genug oben lassen, um den Horizont zu sehen. Du wirst sehen, das geht, nur nie aufgeben, nie ganz aufgeben… Ich hab dir geglaubt. Jedes Wort. Das von Demut, das von Schmerz, und erst recht das von Wut. Das vom Kampf, dass ich ihn aufgeben soll, mehr noch, gar nie erst beginnen! Das Wort von der Sehnsucht, vom Frieden, von der Einsamkeit. Egal was du sagtest, ich hab dir geglaubt! Vertraut! Vertraut hab ich dir.

Ganz nackt hast du mich gemacht, mein Leben. Ausgezogen bis auf die Seele und dann hast du mich angesehen als wäre ich schön. Und dann hast du mir all meine Wunden geküsst, bis keine mehr davon weh tat. Hast mir ein Kleid gegeben, ein hübsches und dann hast du mich ermutigt, immer weiter zu gehen. Geh deinen Weg, hast du gesagt und hast noch mein Schwert in der Hand gehabt. Meine Rüstung lag vor deinen Füßen; beides, mein Kind, brauchst du nicht mehr, vertrau mir! Was fühlte ich mich nackt! Aber mit jedem Schritt, den ich in ein neues Leben ging, fühlte ich mich freier, beschützt von meinem Mut und bewegt von deiner Liebe zu mir. Mein Kleid wurde bunter, im Winter wurde es warm und im Sommer fröhlich leicht. Und als ich schon überlegte, wie ich dem Leben wohl danken könnte für all das Gute und Schöne, was es mir geschenkt hatte, da zerbrach meine Welt. Sie zerbrach, leise aber hörbar als ich meinen Sohn nach 11 Jahren aus meinen Händen in Fremde gab. Und während ich noch versuchte, mit bloßen Händen die wichtigsten Teile von den Scherben zu retten, da wurde es finster. Von einem Moment zum anderen ging das Licht aus in meiner Welt. Und da stand ich nun, in meinem Sommerkleid, mit Scherben in der Hand und konnte nichts mehr sehen. Nichts. Ich konnte nur spüren, wie es kalt wurde und die Scherben im Dunkel meine Hände zerschnitten. Ich wollte, ich konnte sie nicht los lassen. Ich hielt sie fest, die Reste von unserem Leben, ich hielt sie fester, als es gut war für meine blutenden Hände. Als ich meinen missbrauchten Sohn heim holte, da bat ich dich um meine Rüstung; nur die Rüstung, nicht mal das geliebte Schwert. Ich war ohnehin viel zu müde zum Kämpfen. Ich wollte nur meine Rüstung haben, damit mich von außen was zusammen hält während ich innerlich zerbrach. Aber du, du hast nur geschwiegen. Hast du mich im Dunkeln angesehen? Gar vor mir gestanden? Ich weiß es nicht, ich konnt dich nicht mal spüren…

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte noch mal so wütend sein. So wie früher, weißt du noch? Als ich manchmal laut wurde, ungerecht, verletzend. Anbrüllen würde ich dich mit all meiner Liebe, ja Liebe! Das hast du mir beigebracht. Alles ist Liebe, alles. War das auch Liebe, als meine Welt zerstört wurde? Soll ich das auch dankbar annehmen, in Liebe? Gott, ich würde dich so gerne anbrüllen, an dir rütteln, dich fragen was du dir dabei gedacht hast! Hast du überhaupt gedacht in diesem Moment? An mich, an uns…

Wenn ich noch mal so wütend sein könnte, so wie damals. Ich würd dir sagen, gib mir diese verfluchte Rüstung zurück! Mit irgendwas muss ich mich ja vor dir schützen. Und gib mir auch gleich mein Schwert wieder, es gehört dir nicht! Aber ich schrei nicht, hört doch sowieso keiner. Mich hört schon lange niemand mehr. Ich steh hier, in meinem zerrissenen Kleid vom letzten Sommer. Nicht mal der Frühling hat mir ein neues gegeben, selbst der hat mich vergessen. Ich steh hier, seh dich müde an und dann geh ich wieder. Immer weiter, immer vorwärts. Einen Fuß nach dem anderen. Ist draußen irgendwer, der meinen Namen kennt, für den ich… vergiss es…

Bild von Pixxel_Worx auf Pixabay 

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