28. Mai … jetzt graben wir tiefer!

„… es ist, als würde meine Seele manchmal kotzen…“ – so beschreibe ich manchmal das, was ich hier mache. Wenn ich genug mit mir rum trage an Gedankengut – und das kommt schon mal vor, ich mach ja alles mit mir selber aus und rede so gut wie nie über mich selbst – dann spuckt meine Seele alles aus. Manchmal bin ich selber erstaunt, in welch schöne Worte sie oft die schlimmsten Dinge packt. Und doch, es lässt vieles leichter ertragen, wenn man es in ein schönes Kleid steckt…

Zur Zeit ist meine Seele sehr still. Ich glaub, sie sucht sich mal wieder selbst. Sie möchte immer strahlen und wird jedes mal ganz traurig, wenn sie es nicht kann. Und dann geht sie auf die Suche nach all ihren verlorenen Teilen. Wohl in der Hoffnung, einer davon fehlt ihr zum Leuchten. Aber ich merke immer mehr, wie viele Teile am Ende ganz verloren gehen. Jedes mal, wenn etwas in uns stirbt, der Schmerz unerträglich wird, wir jemanden geliebt haben, einer davon verloren ging, die Welt kurz stehen bleibt… Jedes mal verliert unsere Seele einen winzigen Teil ihrer selbst, den sie nie wieder zurück bekommen wird. Wird sie immer kleiner? Gar irgendwann nicht mehr vorhanden sein? Nein, sicher nicht. Sie ist unsere Ewigkeit, wenn ihr mich fragt. Und wir halten sie am Leben, mit jedem noch so winzigen schönen Moment, mit dem wir ihr ein Leuchten schenken. Dadurch wächst sie jedes mal wieder ein kleines Stück. Vielleicht ist es deshalb so wichtig, immer einmal mehr zu lachen als zu weinen…

Gestern war ich das erste mal bei meiner Psychotherapeutin. Ja, ich habe es lange vermieden. Mir war durchaus klar, dass ich ein gefundenes Fressen, ein Festmahl für so jemanden bin. Fast eine Stunde haben wir uns unterhalten. Ich konnte förmlich sehen, wie sie sich am liebsten die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen hätte. Mehrmals. Und dabei stehen wir grade mal am Anfang. Aber die Lady hat Biss, das hat man sofort gemerkt. Die wird Leichen bei mir ausgraben, die nicht mal ich kenne. Aber ich bin bereit. Bereit, in meinen tiefsten Abgründen zu graben und ein paar Bestattungen vorzunehmen. Man kann sich noch so sicher sein, alles erledigt zu haben – irgendwo, irgendwo schlummert immer noch ein wunder Punkt…

Bild von Paul Edney auf Pixabay 

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