12. August … wie viele Narben hast du schon gelebt?

Die Zeit steckt immer voller Veränderung. Inzwischen arbeite ich wieder ein paar Tage in der Woche und sitze den Rest der Zeit an meiner Weiterbildung. Es tut gut, wieder ein so ausgefülltes Leben zu haben.

Inzwischen hat sich der schlimme Vorfall vom letzten Sommer zum ersten mal gejährt; was hatte ich Angst vor dieser Nacht! Ich hab sie spontan mit ein paar Leuten beim gemeinsamen Zocken im Internet verbracht, war also nicht ganz allein wenn auch nur virtuell. Aber es war gut, sie ging vorbei, diese Nacht und langsam verliert sie ihre undurchdringliche Dunkelheit. Was waren sie anfangs schwarz, die Nächte nach dem Missbrauch an meinem Sohn. Was waren sie still, endlos und so voller Schatten, die sich schweigend in allen Ecken zeigten. Was kommt nach Schwarz, hab ich mich oft gefragt. Was kommt nach der Finsternis, was kommt, wenn das Herz stirbt und gar nichts mehr bleibt…

Heute weiß ich, es bleibt immer etwas übrig, immer! Wir müssen es nur bewahren, uns selbst müssen wir bewahren vor dem restlosen Verfall. Ein Funke, hab ich immer gesagt, ein Funke muss immer überleben. Daraus lässt sich wieder Feuer machen, irgendwann aber ohne Funke erlöschen wir ganz. Dann, ja dann kommt wohl das nach der Finsternis, nach dem Schwarz, nach der Hoffnung und dem letzten Glauben…

Ich hab auch einen für mich sehr wichtigen Kreis durchbrochen. Immer wieder gab es Menschen in meinem Leben, die von heute auf Morgen nicht mehr mit mir gesprochen haben. Einfach so, kein einziges Wort mehr und ich hab nie erfahren, warum. Der letzte, der schweigend ging, war ein guter Zockerkumpel. Und dieses mal hab ich es nicht so stehen lassen, bin hin gefahren und hab das geklärt. Und es hat meine Seele so befreit! Reden hilft, sag ich immer, reden hilft! Und ich lerne immer mehr, über wirklich alles zu reden, wenn es an der Zeit ist…

Ich wünsche mir, dass die Zeit nicht nur die Wunden heilt, sondern viel mehr, dass sie uns besser lehrt, mit dem „danach“ zu leben. Leben lernen mit den Narben, die das Leben uns von Zeit zu Zeit hinterlässt. Begreifen, dass sie nie vergehen werden; keine Zeit der Welt löscht Narben von unseren Herzen, unserer Seele, unserer Haut, keine Zeit der Welt. Und wenn wir uns schon nicht mit schönen Gedanken daran erinnern können, was sie bedeuten, so können wir doch eines lieben lernen; dass wir sie überlebt haben, jede einzelne davon. Wir haben überlebt und wie schwer das manchmal war, das zeugen stumm die Narben auf uns…

Bild von _Nini_ auf Pixabay 

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