… mein Elfenbeinturm…

Als Kind hat mich der Film “ Die unendliche Geschichte“ sehr fasziniert. Zwar war kaum zu ertragen, dass ein weißes Pferd im schmutzigen Sumpf ertrinkt und der Held der Geschichte es nicht retten konnte aber viel mehr faszinierte mich die kindliche Kaiserin. Wie sie unglaublich schön in ihrem Elfenbeinturm saß und die Fähigkeit besaß, die Wünsche der Menschenkinder zu erfüllen. Nie, kein einziges mal habe ich daran gedacht, vor ihr stehen zu wollen, um ihr meinen Wunsch still zu vermitteln. Nie. Ich wäre vielmehr gerne sie selbst gewesen; so rein, so schön, so geschützt in diesem Turm. Ihre Angst in den Augen, als Fantasien um sie herum zerbrach und ihr Glaube bis zuletzt, dass sie ein Kind alleine retten kann, das beeindruckte mich.

Bis heute fühle ich mich manchmal wie sie; in einem von der Außenwelt abgeschirmten Turm sitzend und tatenlos zusehen müssen, wie die Welt um einen zerbricht; nur mit der Angst in den Augen und dem Glauben im Herzen. So seh ich mich manchmal und ich musste besonders im letzten Jahr erfahren und auch lernen, dass niemand kommen wird, der mich rettet…

Immer mehr will ich in diesen Turm zurück, immer öfter erwische ich mich dabei, wie ich ihn umstreife, zu ihm empor sehe, mich auf den schmalen Weg hoch zu ihm machen will. Aber ich kann es nicht. Es ist, als würde mich etwas unsichtbares davon abhalten wollen, auch nur in die Nähe meiner geliebten Einsamkeit dort oben zu kommen. Wenn ich in mich gehe, um herauszufinden, warum dem so sein mag, dann überrennen mich Eindrücke vergangener Zeit:

Menschen spielen mit dir. Sie erzählen dir so lange, was du hören willst, bis sie selbst es glauben; und das tun sie erst, wenn du es ihnen schon lange glaubst…Menschen benutzen dich, für ihre eigenen Interessen, Ziele oder einfach nur für ihren eigenen Spaß. Und sie ignorieren dabei, wie sehr sie dich am Ende damit verletzen… Menschen nehmen, sie nehmen weit mehr, als ihnen zusteht. Sie nehmen, was ihnen nicht gehört, ohne zu fragen, ohne es jemals zurück zu bringen. Sei froh, wenn sie dir nur materielles nehmen; wenn sie dir Gefühle, Zeit, oder Würde erst stehlen, dann wirst du lernen, was Schmerz wirklich heißt… Menschen nennen dich Freund und erinnern sich so lange daran, bis man sie brauchen könnte. Menschen belügen dich, betrügen dich, verarschen dich, hintergehen dich… Menschen haben manchmal nicht mal den Anstand, dir lebe wohl zu sagen, sie gehen einfach. Menschen geben nur weil sie dich später daran erinnern, was sie für dich getan haben und fordern dann. Menschen schweigen lieber, als einem die – manchmal schmerzhafte – Wahrheit zu sagen. Menschen enttäuschen einen, wieder und wieder. Und immer wieder gibt man doch dem ein oder anderen wieder eine Chance, vertraut ihm. Nur um erneut zu lernen, dass man wohl immer wieder den falschen Menschen begegnet. So hab ich Menschen erlebt, immer wieder. Vielleicht der Grund, warum ich sie heute meide…

Ich komm also nicht in diesen verdammten Turm, warum auch immer. Und während meinem letzten Versuch, zurück in meinen Elfenbeinturm zu gelangen, kommt mir ein Gedanke; diese Leere, die Fantasien verschlungen hat – der Turm wird mich nicht davor schützen. Niemand wird mich davor schützen, denn ich bin die Leere. Ich selbst. Ich bin leer, müde und leer…

Bild von freestocks-photos auf Pixabay 

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