… erinnern… manchmal so wichtig…

Eigentlich lief alles ganz gut in letzter Zeit. Zum 1. Dezember hab ich einen Vollzeitjob bekommen, der mir Spaß macht und mit vielen lieben Kollegen. Am 5. Dezember besuchte ich meinen Großen im Wohnheim und erfuhr, dass er dort raus fliegen würde. Das Medikament, welches er schon ziemlich lange nehmen muss, damit er nicht regelmäßig austickt, musste runter dosiert werden. Wie es aussieht verursacht es Herzprobleme und er muss, sobald ein Platz frei wird, in eine Klinik und dort unter ärztlicher Beobachtung neu eingestellt werden. Durch die zu niedrige Dosis sind seine Aggressionen wieder da und in seinem jetzigen Wohnheim kann er so nicht mehr bleiben. Ein Satz von meinem Sohn macht mir sehr zu schaffen: “ Wir Heimkinder haben es so schon schwer, besonders jetzt, kurz vor Weihnachten…“ – ein neuer Riss in meinem wunden Herz…

Ich versuchte, trotzdem nach vorne zu sehen. Mich an meinem neuen Job zu erfreuen. Am 13. Dezember fackelte mir bei der Heimfahrt von der Arbeit beinahe das Auto ab. Die hintere Bremse hatte sich festgefahren. Wie sich am nächsten Tag in der Werkstatt raus stellte, war eine Seite ziemlich verschmort, die andere restlos zerstört. Für über 500 Euro konnte ich meinen Polo nach zwei Tagen wieder haben. Das war so ziemlich das letzte Geld für diesen Monat…

Am 17. Dezember konnte ich also wieder auf Arbeit, musste nur vorher noch meinen zweiten Schnelltest für diese Woche erledigen. Ich rauchte noch eine Zigarette, während ich auf das Ergebnis wartete und irgendwann schallte mein Name über den Parkplatz vor der mobilen Impfstation. Die Dame von der Testerei gab mir dieses mal zwei Zettel in die Hand und meinte: „Du hast heute frei.“ Etwas irritiert sah ich sie an. „Willst du es sehen?“, fragte sie mich und hielt mir einen Corona – Test mit zwei Streifen unter die Nase.

Daheim rief ich das Gesundheitsamt an, machte dann einen PCR – Test. Als das Ergebnis am nächsten Tag kam hatte ich schon Erkältungssymptome und das erneut positive Ergebnis wunderte mich nicht mehr. Am Tag darauf ließ ich meinen Sohn testen und bekam heute das überraschende Ergebnis; er ist – noch – negativ. Das heißt, wir feiern seinen Geburtstag am Dienstag in getrennten Zimmern. Auch Weihnachten. Erst wenn er am 27. Dezember wieder negativ ist, wird seine Quarantäne beendet. Meine geht noch bis 31. Dezember, bis dahin muss ich mich von meinem Kind isolieren…

Ich kann mir nur vorstellen, wie einsam er sich fühlt. Ich hab jetzt zwei einsame Kinder und kann nichts dagegen tun. Seit gestern ist mein Geschmacks – und Geruchssinn auch komplett weg. Aber ich trinke weiter meinen Kaffee und versuche mir vorzustellen, wie köstlich er ist. Rieche an meiner Schokolade und versuche mich zu erinnern, wie sie duftet. Und das ist es, was wir uns manchmal erhalten müssen; die Erinnerung an die schönen Dinge mit der Sehnsucht im Herzen, dass sie wieder irgendwann so sind, wie sie mal waren…

Bild von Thanh Tuấn Tạ auf Pixabay 

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