… ich spür mich längst nicht mehr…

… ich weiß oft nicht mehr, welcher Teil in mir noch am Leben ist. Ich versuch nur immer, irgendwas in mir am Leben zu halten, während was anderes in mir grade wieder stirbt…

Mein größter Schmerz in mir bist du, mein Sohn. Dass ich dich nicht heim holen kann, während ich sehe, wie du behandelt wirst von Menschen, die auf dich Acht geben sollten. Es bricht mir das Herz, dich weinen zu sehen und weg schauen zu müssen, nur damit ich irgendwas in mir retten kann; zum weiter machen. Um wieder aufzustehen. Um nicht ganz sterben zu müssen…

Ich versuch noch immer, nach vorne zu schauen. Das Gute zu sehen – wie wenig davon übrig ist. In stillen Momente kratz ich die Reste zusammen und halt sie, halt sie fest in der hohlen Hand und wage manchmal ganz sanft daran zu riechen; ganz sanft nur, damit nicht noch mehr davon verloren geht. Ich riech sie dann, unsere längst vergangene Zeit und dann schließ ich die Augen, hör dein Lachen, oft übertrieben laut aber so voller Leben. Ich kann sie fühlen, unsere Zeit und dann schluck ich runter, während die Tränen nach oben wollen. Zwischen all der schweren Zeit, da war auch Licht, da war Liebe, da waren unsere schönen Momente und ich wünschte, sie wären nie vorbei gegangen. Ich wünschte, du hättest nie gehen müssen. Hättest bei uns bleiben können, wir hätten das schon irgendwie geschafft…

Manchmal, manchmal halt ich inne in diesem Wahnsinn von Leben. Halte inne und frage mich; wofür eigentlich noch? Und dann folgt die Stille, keine Antwort. Nur Schweigen und dieses letzte Gefühl in mir, dass auch der letzte Teil in mir bald stirbt. Das ist geblieben, dieses eine Gefühl. Und die Erkenntnis, dass es am Ende oft egal ist, ob man gekämpft hat oder nicht; manchen Kampf kann man einfach nicht gewinnen…

Ich trag im Herzen, was der Kopf längst gelöscht hat. Weil er sich nicht mehr erinnern mag, wieder und wieder. Weil er vieles längst nicht mehr ertragen hat. Ich trags im Herzen, immer, so wie dich…

Bild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay 

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